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Praxisprüfung Klasse BE – Aufgaben und Hinweise

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1. Ziel der praktischen Prüfung

Die praktische Prüfung der Klasse BE dient dem Nachweis, dass der Bewerber in der Lage ist, eine Kombination aus Pkw und Anhänger sicher, vorausschauend und regelgerecht zu führen.
Geprüft werden technisches Verständnis, Fahrfertigkeiten, Verhalten im Straßenverkehr und der sichere Umgang mit dem Anhänger in verschiedenen Fahrsituationen.

Die Prüfung ist keine Trainingsfahrt, sondern ein Nachweis praktischer Befähigung nach der Prüfungsrichtlinie der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV, Anlage 7 und 8).


⚙️ 2. Rahmenbedingungen der Prüfung

Punkt Beschreibung
Prüfungsdauer ca. 55 Minuten (inkl. Vorbereitung, Grundfahraufgaben und Prüfungsfahrt)
Fahrlehrer anwesend Ja, nimmt aber nicht aktiv teil
Prüfer (TÜV / DEKRA) Bewertet objektiv nach bundeseinheitlichem Bewertungssystem
Fahrzeugkombination Pkw + Anhänger (zGM mind. 1.000 kg, Anhänger mit Planenaufbau oder geschlossener Kofferbauweise, Bremsanlage Pflicht)
Zulassung und Ausstattung Beide Fahrzeuge müssen zugelassen, verkehrssicher und den Prüfungsanforderungen entsprechen (§ 17 FeV)

🧰 3. Vorbereitung und technische Kontrolle

Vor Beginn der Fahrt führt der Prüfer ein Vorgespräch und eine Sicherheitskontrolle durch. Dabei sollen die Fahrschüler:innen zeigen, dass sie ihren Anhänger kennen und einschätzen können.

Typische Fragen / Aufgaben:

  • Kontrolle von Beleuchtung, Reifen, Kupplung, Sicherung, Bremsanlage

  • Erklären der Stützlast und Anhängelast

  • Bedeutung des Fangseils und Stromanschlusses

  • Sichtprüfung auf richtige Beladung und Lastverteilung

  • Funktionsprüfung von Beleuchtung und Bremsleuchten

💡 Tipp für die Ausbildung:
Diese Fragen regelmäßig in den Praxisstunden üben! Ein sicherer, routinierter Umgang schafft Ruhe und Selbstvertrauen zu Beginn der Prüfung.


🧭 4. Grundfahraufgaben (Pflichtteil der Prüfung)

Der Prüfling muss drei Grundfahraufgaben ausführen, davon sind zwei Pflicht und eine vom Prüfer gewählte Zusatzaufgabe.

Pflichtaufgaben:

  1. Ankuppeln und Abkuppeln eines Anhängers

    • Sicheres Heranfahren, korrektes Einrasten der Kupplung

    • Anbringen des Fangseils, elektrischer Verbindung

    • Kontrolle der Beleuchtung

    • Nach dem Abkuppeln: Stützrad, Sicherung, Unterlegkeile prüfen

  2. Rückwärtsfahren um eine Ecke nach rechts (90°)

    • Rückwärts um eine Ecke in eine markierte Fläche (z. B. Grundstückseinfahrt)

    • Blicktechnik, Spiegelbenutzung, Lenkeinschlag und Korrekturen

Mögliche Zusatzaufgaben (vom Prüfer wählbar):

  • Rückwärts geradeaus einparken an eine Rampe oder Wand

  • Wenden in mehreren Zügen

  • Rückwärtsfahren auf gerader Strecke (mind. 50 m)

  • Zielgenaues Anhalten zum Be- oder Entladen

💡 Wichtig:
Sicheres Rangieren ist ein zentraler Prüfungspunkt. Fehler entstehen häufig durch zu hohe Geschwindigkeit oder mangelnde Spiegelkontrolle.


🚦 5. Prüfungsfahrt im öffentlichen Straßenverkehr

Nach den Grundfahraufgaben folgt die Prüfungsfahrt, Dauer ca. 30–35 Minuten.
Hier muss der Prüfling zeigen, dass er den Zug sicher, flüssig und regelgerecht im Straßenverkehr bewegt.

Prüfungsinhalte:

  • Anfahren, Beschleunigen, Bremsen

  • Abbiegen, Einordnen und Beobachten

  • Spurwechsel, Überholen, Einfahren in den fließenden Verkehr

  • Fahren innerorts / außerorts / auf Landstraße oder Schnellstraße

  • Anpassen der Geschwindigkeit an Verkehr und Fahrbahnzustand

  • Beobachtung des Anhängers in Kurven, bei Wind, beim Bremsen

  • Umweltbewusstes und vorausschauendes Fahren

Typische Beobachtungspunkte des Prüfers:

  • Sicherer Umgang mit dem längeren und breiteren Zug

  • Einschätzung der verlängerten Bremswege

  • Richtiger Einsatz der Spiegel

  • Kontrolliertes Rangieren und Wenden

  • Sicheres Einscheren nach Überholvorgängen


⚖️ 6. Bewertungskriterien

Der Prüfer achtet auf drei Hauptkategorien:

Kategorie Inhalt Bewertung
Beherrschung des Fahrzeugs Technische Bedienung, Lenken, Schalten, Bremsen, Rückwärtsfahren Mängelfrei, sicher, flüssig
Verkehrsbeobachtung Spiegel, Schulterblick, Blickführung, Gefahrenwahrnehmung Regelmäßig, situationsgerecht
Verkehrsverhalten Anpassung an Verkehr, Vorschriftenbeachtung, Rücksichtnahme Vorausschauend, defensiv, regelkonform

Bewertung:

  • Bestanden: Der Prüfling zeigt, dass er das Fahrzeug sicher führen kann.

  • Nicht bestanden: Bei sicherheitsrelevanten oder wiederholten Fehlern, z. B. Missachtung der Vorfahrt, gefährliches Schlingern, falsches Rangieren oder unzureichende Beobachtung.


📋 7. Häufige Fehlerquellen

  1. Unsauberes Ankuppeln oder fehlende Kontrolle der Verbindung

  2. Falsche oder ungleichmäßige Lastverteilung → Schlingergefahr

  3. Unzureichende Spiegelbenutzung beim Rückwärtsfahren

  4. Zu hohe Geschwindigkeit beim Rangieren

  5. Nichtbeachten der verlängerten Bremswege

  6. Fehlende Schulterblicke bei Spurwechsel oder Abbiegen

  7. Fehler bei Licht- oder Bremskontrolle


🧠 8. Prüfungstaktik – Tipps für Fahrschüler:innen

Ruhe bewahren – kleine Korrekturen sind erlaubt.
Jede Aufgabe vorher gedanklich durchgehen – das schafft Struktur.
Bei Unsicherheit lieber anhalten und neu ansetzen.
Spiegel, Blick, Signal – immer wieder prüfen.
Anweisungen des Prüfers genau befolgen, aber selbstständig handeln.
Sicherheit geht vor Perfektion.


📘 9. Nach der Prüfung

Der Prüfer bespricht das Ergebnis direkt im Anschluss.
Bei Bestehen wird die Fahrerlaubnis Klasse BE erteilt.
Bei Nichtbestehen erklärt der Prüfer die Gründe sachlich und gibt Hinweise, welche Bereiche zu verbessern sind.

💡 Tipp:
Fahrlehrer:innen sollten das Prüfungsgespräch danach im Unterricht aufgreifen – das stärkt das Verständnis für Sicherheit, Verantwortung und Selbstreflexion.


📚 10. Rechtliche Grundlagen

  • Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), insbesondere:

    • § 16: Durchführung der Prüfung

    • § 17: Prüfungsfahrzeuge

    • Anlage 7 & 8: Prüfungsrichtlinie Klasse BE

  • Straßenverkehrs-Ordnung (StVO)

  • Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO)

  • Begutachtungsrichtlinie TÜV / DEKRA


🟩 Merksatz für den Unterricht:

„Wer sicher ankuppelt, ruhig rangiert und vorausschauend fährt,
zeigt Verantwortung – und besteht die BE-Prüfung souverän.“