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Gewicht und Lastverteilung beim Anhängerbetrieb

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1. Bedeutung von Gewicht und Lastverteilung

Das richtige Verständnis von Gewicht und Lastverteilung ist entscheidend für die Sicherheit und Fahrstabilität eines Zuges aus Pkw und Anhänger. Fehlerhafte Beladung kann zu gefährlichem Fahrverhalten führen – etwa zu Pendeln, Schlingern oder verlängertem Bremsweg. Jede Veränderung der Last beeinflusst die Achslasten, Stützlast und Fahrdynamik des Gespanns.

Eine korrekte Lastverteilung sorgt dafür, dass:

  • der Anhänger ruhig in der Spur läuft,

  • die Bremswirkung optimal ist,

  • keine übermäßige Belastung von Achsen, Reifen oder Kupplung entsteht,

  • und das Fahrzeug jederzeit kontrollierbar bleibt.


⚖️ 2. Wichtige Begriffe und gesetzliche Grundlagen

Begriff Bedeutung / Vorschrift
Leergewicht Eigengewicht des Fahrzeugs (ohne Ladung, aber mit Betriebsstoffen).
Zulässige Gesamtmasse (zGM) Maximal erlaubtes Gewicht von Fahrzeug oder Anhänger laut Zulassung (§ 34 StVZO).
Stützlast Kraft, mit der der Anhänger auf die Anhängerkupplung drückt – muss innerhalb der vorgeschriebenen Werte liegen (meist 25–100 kg).
Achslast Gewicht, das auf eine Achse wirkt – darf laut Fahrzeugschein nicht überschritten werden.
Anhängelast Maximale Last, die das Zugfahrzeug ziehen darf (steht in den Fahrzeugpapieren, Feld O.1 / O.2).
Gesamtzuggewicht Summe aus zGM von Zugfahrzeug und Anhänger – darf nicht über der im Schein angegebenen Kombination liegen.

🔸 Rechtliche Grundlage:
Die Vorschriften ergeben sich vor allem aus der StVZO (§ 34–42) und der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV, Anlage 7 & 9) für Klasse BE.


⚙️ 3. Vorschriften für Klasse BE (Pkw mit Anhänger)

Punkt Vorschrift / Bedeutung
Fahrzeugkombination Pkw (zGM ≤ 3.500 kg) + Anhänger (zGM > 750 kg).
Max. Anhängelast Nur so viel, wie das Zugfahrzeug laut Zulassung ziehen darf.
Gesamtzuggewicht Darf die technisch zulässige Gesamtmasse (aus Fahrzeugpapieren) nicht überschreiten.
Bremsanlage Anhänger Ab 750 kg zGM ist eine Auflaufbremse vorgeschrieben (§ 41 StVZO).
Beleuchtung / Kennzeichnung Nach § 49a–50 StVZO: Schluss-, Brems-, Blinker-, Rückstrahler, Kennzeichenbeleuchtung, Dreieckrückstrahler Pflicht.
Kupplungseinrichtung Muss eine gültige Bauartgenehmigung besitzen.
Führerscheinklasse BE Berechtigt, Kombinationen bis zu 7.000 kg zGM (Zugfahrzeug + Anhänger) zu führen.

🧭 4. Richtige Lastverteilung – Grundprinzipien

  1. Schweres nach unten und nach vorne:

    • Schwere Gegenstände so tief wie möglich und nahe an der Achse platzieren.

    • Etwa 60 % der Gesamtlast vor der Achse, 40 % dahinter.

  2. Gleichmäßige Verteilung:

    • Verhindert einseitige Belastung der Reifen und Achsen.

    • Ladung sichern, damit sie sich bei Kurven oder Bremsen nicht verschiebt.

  3. Richtige Stützlast:

    • Faustregel: ca. 4–7 % der Anhängelast, mindestens jedoch die vom Hersteller angegebene Mindeststützlast.

    • Zu geringe Stützlast → Anhänger neigt zum Schlingern.

    • Zu hohe Stützlast → Entlastung der Vorderachse des Pkw → schlechtere Lenkbarkeit.

  4. Ladungssicherung beachten:

    • Nach § 22 StVO muss die Ladung so gesichert sein, dass sie auch bei plötzlichen Bewegungen nicht verrutscht oder herunterfällt.

    • Einsatz von Zurrgurten, Antirutschmatten und geeigneten Halterungen.


🚨 5. Folgen falscher Lastverteilung

Fehler Mögliche Folgen
Zu geringe Stützlast Anhänger beginnt zu pendeln oder schlingern → Gefahr des Kontrollverlusts.
Zu hohe Stützlast Vorderachse des Pkw wird entlastet → schlechtere Lenkung, längerer Bremsweg.
Ungleichmäßige Verteilung (Seitenlast) Anhänger zieht zu einer Seite, Reifenverschleiß, instabiles Kurvenverhalten.
Überladung Verlängerte Bremswege, Schäden an Achsen, Federung, Kupplung, Bußgelder & Punkte.

📏 6. Kontrolle und Messung

Vor Fahrtbeginn prüfen:

  • Stützlast mit Stützlastwaage kontrollieren.

  • Reifendruck gemäß Beladung anpassen.

  • Achslast und zGM anhand Fahrzeugpapiere vergleichen.

  • Sichtprüfung: Kupplung, Sicherung, Beleuchtung.

Tipp für die Ausbildung:
Lass Fahrschüler:innen im Unterricht praktisch messen und vergleichen – z. B. mit unterschiedlicher Beladung die Stützlast prüfen.
So verstehen sie den Einfluss der Lastverteilung auf Fahrverhalten und Sicherheit.


📘 7. Praktische Tipps aus der Ausbildung (Kl. BE)

✅ Vor jeder Fahrt: Zuggesamtgewicht und Stützlast prüfen
✅ Last gleichmäßig auf beide Seiten verteilen
✅ Schwere Ladung vor der Achse, tief unten
✅ Stützlast nicht unter Mindestwert
✅ Fangseil, Bremsen & Beleuchtung testen
✅ Ladung immer sichern (Gurte, Netze, Antirutschmatten)


⚖️ 8. Beispielrechnung zur Stützlast

Ein Anhänger hat eine zulässige Gesamtmasse von 1.300 kg und eine zulässige Stützlast von 75 kg.
Das Zugfahrzeug darf laut Schein max. 80 kg Stützlast aufweisen.
👉 Erlaubt ist also die kleinere Angabe: 75 kg.

Wenn die tatsächliche Stützlast nur 30 kg beträgt, droht Schlingergefahr.
Liegt sie bei 90 kg, wird das Zugfahrzeug überlastet.


📚 9. Zusammenfassung für Fahrschüler:innen

Eine richtige Lastverteilung ist Voraussetzung für sicheres Fahren mit Anhänger.
Nur wer die zulässigen Gewichte kennt und einhält, kann gefährliche Fahrzustände vermeiden.
In der Klasse BE lernen Fahrschüler:innen, Lasten korrekt zu platzieren, Stützlast zu messen und das Fahrverhalten an die Beladung anzupassen.


🟩 Merksatz:

„Schwere Last nach vorn, gleichmäßig verteilt, Stützlast im Soll – dann läuft der Anhänger stabil!“


🔸 Quellen und Rechtsgrundlagen

  • Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) §§ 34, 41, 42

  • Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) § 22 (Ladungssicherung)

  • Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) Anlage 7 (Klasse BE)

  • Bußgeldkatalog (Anhang zu § 24 StVG)