Verkehrssicherheit eines Kraftrades
Verkehrssicherheit eines Kraftrades
Ein Kraftrad ist verkehrssicher, wenn es technisch in Ordnung ist und ohne vermeidbare Gefährdung am Straßenverkehr teilnehmen kann. Weil Motorräder nur zwei Räder haben, eine kleine Aufstandsfläche besitzen und keinen schützenden Fahrgastraum bieten, wirken sich technische Mängel besonders stark auf die Fahrsicherheit aus.
Vor jeder Fahrt sollte deshalb eine kurze Sicht- und Funktionskontrolle durchgeführt werden.
1. Reifen
Die Reifen stellen den einzigen direkten Kontakt zwischen Motorrad und Fahrbahn her. Über die kleinen Reifenaufstandsflächen müssen alle Kräfte übertragen werden:
Zu kontrollieren sind:
Ein zu niedriger Luftdruck macht das Motorrad schwerfällig und kann den Reifen stark erwärmen. Ein zu hoher Luftdruck verkleinert die Aufstandsfläche und kann den Fahrkomfort und die Bodenhaftung verschlechtern.
Der Luftdruck sollte am kalten Reifen nach den Angaben des Herstellers geprüft werden. Bei Beifahrer- oder Gepäckbetrieb kann ein anderer Luftdruck vorgeschrieben sein.
Beschädigte oder deutlich abgefahrene Reifen dürfen nicht weiterbenutzt werden.
2. Bremsen
Das Motorrad besitzt eine Vorderrad- und eine Hinterradbremse. Beide müssen sicher, gleichmäßig und gut dosierbar funktionieren.
Vorderradbremse
Sie wird mit dem rechten Handbremshebel betätigt. Beim Bremsen verlagert sich das Gewicht nach vorn. Dadurch übernimmt die Vorderradbremse einen großen Teil der Bremswirkung.
Hinterradbremse
Sie wird normalerweise mit dem rechten Fuß bedient. Sie unterstützt die Verzögerung und stabilisiert das Motorrad.
Vor der Fahrt ist zu prüfen:
Ein schwammiger Druckpunkt kann auf Luft im Bremssystem oder einen technischen Defekt hinweisen. In diesem Fall darf die Fahrt nicht fortgesetzt werden.
Besitzt das Motorrad ABS, muss auch die Kontrollleuchte beachtet werden. Sie darf nach dem systembedingten Selbsttest nicht dauerhaft eine Störung anzeigen.
3. Beleuchtung
Die Beleuchtung dient nicht nur dazu, die Fahrbahn zu sehen. Sie sorgt auch dafür, dass das schmale Motorrad von anderen Verkehrsteilnehmern rechtzeitig erkannt wird.
Zu kontrollieren sind:
Das Bremslicht sollte sowohl bei Betätigung der Handbremse als auch der Fußbremse funktionieren.
Defekte Blinker oder ein ausgefallenes Bremslicht können dazu führen, dass andere Verkehrsteilnehmer Fahrabsichten zu spät oder gar nicht erkennen.
Scheinwerfer und Leuchten müssen sauber, unbeschädigt und richtig eingestellt sein. Ein falsch eingestellter Scheinwerfer kann entweder die Fahrbahn unzureichend ausleuchten oder den Gegenverkehr blenden.
4. Spiegel
Die Spiegel ermöglichen die Beobachtung des rückwärtigen Verkehrs.
Sie müssen:
Die Einstellung erfolgt vor der Fahrt. Der Fahrer sollte möglichst wenig von den eigenen Armen und möglichst viel vom rückwärtigen Verkehrsraum sehen.
Trotz richtig eingestellter Spiegel bleiben tote Winkel bestehen. Vor dem Abbiegen oder Fahrstreifenwechsel ist deshalb zusätzlich der Schulterblick notwendig.
Spiegel beobachten den rückwärtigen Verkehr, ersetzen aber niemals den Schulterblick.
5. Lenkung und Fahrwerk
Die Lenkung muss leichtgängig und frei beweglich sein. Sie darf weder haken noch ungewöhnlich viel Spiel haben.
Bei einer Kontrolle sollte geprüft werden:
Das Fahrwerk besteht unter anderem aus:
Es sorgt für Stabilität, Führung und möglichst guten Fahrbahnkontakt.
Undichte Gabeldichtringe sind besonders gefährlich. Austretendes Gabelöl kann auf Reifen oder Bremse gelangen. Dadurch können Bodenhaftung und Bremswirkung stark vermindert werden.
Auch die Einstellung des Federbeins muss zur Beladung passen. Beifahrer und Gepäck verändern das Gewicht und die Lastverteilung des Motorrads.
6. Kette und Antrieb
Der Endantrieb überträgt die Motorkraft auf das Hinterrad. Beim abgebildeten Motorrad erfolgt dies durch eine Kette.
Die Kette muss:
Eine zu lockere Kette kann schlagen, abspringen oder andere Bauteile beschädigen. Eine zu straffe Kette belastet Lager, Getriebeausgang und Federung.
Zusätzlich sollten kontrolliert werden:
Die vorgeschriebene Kettenspannung steht in der Betriebsanleitung oder auf einem Hinweis am Fahrzeug.
Andere Motorräder können einen Zahnriemen oder Kardanantrieb besitzen. Auch diese Systeme müssen nach Herstellervorgaben geprüft und gewartet werden.
7. Kennzeichen und Hupe
Das amtliche Kennzeichen muss:
Es darf nicht verdeckt oder so stark geneigt sein, dass es schlecht erkannt werden kann. Auch die Kennzeichenbeleuchtung muss funktionieren.
Die Hupe dient als akustisches Warnzeichen. Sie muss ausreichend laut und funktionsfähig sein. Sie darf nicht zum Ausdruck von Ärger oder zur Begrüßung benutzt werden, sondern nur zur Warnung vor Gefahren und in den gesetzlich zugelassenen Situationen.
8. Allgemeiner Zustand
Bei der allgemeinen Sichtkontrolle wird das gesamte Motorrad betrachtet.
Dabei ist besonders zu achten auf:
Flüssigkeitsverluste können auf einen technischen Defekt hinweisen. Besonders kritisch sind austretende Bremsflüssigkeit, Kraftstoff oder Öl.
Lose Teile können sich während der Fahrt lösen und den Fahrer, das Fahrzeug oder andere Verkehrsteilnehmer gefährden.
Fahrer, Ladung und Beifahrer
Zur Verkehrssicherheit gehört nicht nur der technische Zustand des Motorrads.
Auch der Fahrer muss:
Ladung muss sicher befestigt und gleichmäßig verteilt werden. Sie darf:
Bei Mitnahme eines Beifahrers müssen ein geeigneter Sitzplatz und Fußrasten vorhanden sein. Der Beifahrer muss sicher sitzen können und sollte vollständige Schutzkleidung tragen.
Kurze Abfahrkontrolle
Vor Fahrtbeginn empfiehlt sich folgende Reihenfolge:
Merksatz: Reifen tragen, Bremsen verzögern, Licht macht sichtbar, Lenkung führt und der technisch einwandfreie Gesamtzustand macht das Kraftrad verkehrssicher.

Verkehrssicherheit: Fahrer, Ausrüstung und Verhalten
Die Verkehrssicherheit eines Kraftrades hängt nicht nur vom technischen Zustand des Motorrads ab. Ebenso wichtig sind der Fahrer, seine Schutzkleidung, seine körperliche und geistige Verfassung sowie eine angepasste Fahrweise.
Motorradfahrer haben keine schützende Fahrgastzelle. Deshalb können bereits kleine Fehler oder Unaufmerksamkeiten schwere Folgen haben.
1. Schutzkleidung
Zur vollständigen Schutzkleidung gehören:
- geeigneter Motorradhelm,
- Motorradjacke,
- Motorradhose,
- Motorradhandschuhe,
- feste Motorradstiefel.
Der Helm schützt Kopf und Gesicht. Er muss richtig passen, unbeschädigt sein und fest verschlossen werden.
Jacke und Hose sollten mit Protektoren ausgestattet sein. Sie schützen besonders:
- Schultern,
- Ellenbogen,
- Rücken,
- Hüfte,
- Knie.
Handschuhe schützen Hände und Handgelenke. Stiefel stabilisieren Füße und Knöchel.
Normale Freizeitkleidung bietet bei einem Sturz nur sehr geringen Schutz.
Merke: Schutzkleidung verhindert keinen Unfall, kann aber die Verletzungsfolgen deutlich verringern.
2. Sichtbarkeit
Krafträder werden wegen ihrer schmalen Silhouette leichter übersehen.
Deshalb sollte der Fahrer darauf achten, möglichst früh erkannt zu werden:
- Beleuchtung einschalten,
- auffällige oder reflektierende Kleidung tragen,
- rechtzeitig blinken,
- nicht dauerhaft im toten Winkel anderer Fahrzeuge fahren,
- eine gut sichtbare Fahrposition wählen.
Besonders gefährlich sind Kreuzungen, Einmündungen und Abbiegesituationen. Andere Verkehrsteilnehmer können Geschwindigkeit und Entfernung eines Motorrads falsch einschätzen.
Der Fahrer sollte deshalb nie darauf vertrauen, dass er gesehen wurde.
3. Fahrtüchtigkeit
Der Fahrer muss körperlich und geistig in der Lage sein, das Motorrad sicher zu führen.
Die Fahrtüchtigkeit wird beeinträchtigt durch:
- Alkohol,
- Drogen,
- bestimmte Medikamente,
- Müdigkeit,
- Krankheit,
- Stress,
- starke Emotionen.
Schon geringe Einschränkungen können Reaktion, Gleichgewicht und Konzentration verschlechtern.
Bei Müdigkeit oder Unwohlsein sollte die Fahrt verschoben oder unterbrochen werden.
Wichtig: Motorradfahren verlangt ständig Aufmerksamkeit, Gleichgewicht und schnelle Reaktionen.
4. Blick und Konzentration
Die Blickführung ist beim Motorradfahren besonders wichtig.
Der Fahrer sollte:
- weit vorausblicken,
- den Verkehrsraum beobachten,
- Gefahren früh erkennen,
- regelmäßig Spiegel und Seitenbereiche kontrollieren,
- den Blick durch die Kurve richten.
Wer direkt vor das Vorderrad schaut, erkennt Gefahren oft zu spät.
Ablenkungen sind besonders gefährlich. Dazu gehören:
- Smartphone,
- Navigationsgerät,
- Musik,
- Gespräche,
- Bedienung des Cockpits während der Fahrt.
Die Hände gehören an den Lenker und der Blick auf die Straße.
5. Ladung und Beifahrer
Ladung muss sicher befestigt sein. Sie darf nicht:
- verrutschen,
- herunterfallen,
- die Beleuchtung verdecken,
- in Räder oder Kette geraten,
- die Lenkung behindern.
Schwere Gegenstände sollten tief und möglichst nahe an der Fahrzeugmitte verstaut werden.
Ein Beifahrer verändert:
- Gewicht,
- Schwerpunkt,
- Bremsweg,
- Beschleunigung,
- Kurvenverhalten.
Vor der Fahrt sollte der Beifahrer über das richtige Verhalten informiert werden:
- ruhig sitzen,
- Bewegungen des Fahrers mitmachen,
- Füße auf den Fußrasten lassen,
- beim Anhalten nicht plötzlich absteigen,
- sich sicher festhalten.
Federung und Reifenluftdruck müssen gegebenenfalls angepasst werden.
6. Dokumente
Bei der Fahrt müssen grundsätzlich mitgeführt werden:
- Führerschein,
- Zulassungsbescheinigung Teil I.
Zusätzliche Unterlagen können erforderlich sein, wenn technische Änderungen vorgenommen wurden, zum Beispiel:
- Allgemeine Betriebserlaubnis,
- Änderungsabnahme,
- Gutachten.
Die Zulassungsbescheinigung Teil II gehört nicht ins Fahrzeug. Sie wird sicher zu Hause aufbewahrt.
7. Angepasste Fahrweise
Die Geschwindigkeit muss immer an die tatsächlichen Bedingungen angepasst werden.
Zu beachten sind:
- Verkehrsdichte,
- Sichtweite,
- Fahrbahnzustand,
- Wetter,
- Kurvenverlauf,
- persönliche Fahrerfahrung,
- Beladung.
Der Sicherheitsabstand muss ausreichend groß sein. Bei Nässe, Dunkelheit oder schlechter Fahrbahn ist er zu vergrößern.
Besondere Gefahren für Motorradfahrer sind:
- Bitumenstreifen,
- Kanaldeckel,
- Fahrbahnmarkierungen,
- Laub,
- Splitt,
- Öl,
- Schmutz,
- Straßenbahnschienen.
Auf solchen Flächen sollte möglichst auf starke Brems-, Lenk- oder Gasbewegungen verzichtet werden.
Zusammenspiel aller Faktoren
Verkehrssicherheit entsteht nur, wenn mehrere Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sind:
- das Motorrad ist technisch in Ordnung,
- der Fahrer ist fahrtüchtig,
- die Schutzkleidung ist vollständig,
- Ladung und Beifahrer sind sicher,
- die Fahrweise ist angepasst,
- Gefahren werden früh erkannt.
Merksatz:
Sicher Motorrad fahren bedeutet: gesehen werden, Gefahren früh erkennen, richtig reagieren und sich selbst bestmöglich schützen.

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