Skip to main content

Schutz des Fahrers und Beifahrers


powered by fahrschulepetersen.de


1. Warum Schutz so wichtig ist

Motorradfahrer und Beifahrer haben im Vergleich zum Pkw:

  • keine Knautschzone

  • keinen Sicherheitsgurt

  • keinen Airbag im Fahrzeug (Ausnahme: spezielle Systeme)

Schon ein relativ harmloser Sturz kann zu schweren Verletzungen führen.
Schutz bedeutet:

  • Verletzungen vermeiden oder abmildern

  • Unfallfolgen (Krankenhaus, Ausfall in Schule/Beruf) reduzieren

  • Lebensgefahr verringern

Merke:

Motorradfahren ohne Schutzkleidung ist wie Autofahren ohne Gurt – nur schlimmer.


2. Gesetzliche Grundlagen

2.1 Helmpflicht

In Deutschland gilt für Fahrer und Beifahrer von Krafträdern (Klasse A):

  • Schutzhelm ist Pflicht

  • Helm muss geeignet und zugelassen sein (z. B. ECE-Norm)

  • Gurtverschluss muss geschlossen sein

Ohne Helm zu fahren ist nicht nur lebensgefährlich, sondern auch:

  • Ordnungswidrigkeit (Bußgeld, Punkt)

  • im Schadenfall kann es zu Problemen mit der Versicherung kommen.


2.2 Beifahrer – wann ist Mitnahme erlaubt?

Ein Beifahrer darf nur mitgenommen werden, wenn:

  • das Motorrad für zwei Personen zugelassen ist (eingetragen in den Fahrzeugpapieren),

  • ein zweiter Sitzplatz vorhanden ist (Soziussitz oder Doppelsitzbank),

  • Fußrasten für den Beifahrer vorhanden und benutzbar sind,

  • der Beifahrer sicher sitzen kann.

Empfehlung (für die Praxis):

  • Beifahrer sollte groß genug sein, um mit beiden Füßen die Fußrasten sicher zu erreichen.

  • Kinder nur mitnehmen, wenn sie:

    • sicher sitzen können,

    • Anweisungen verstehen und befolgen,

    • vollständige Schutzkleidung tragen.


3. Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

3.1 Grundausstattung

Für Fahrer und Beifahrer gilt derselbe Standard:

  1. Motorradhelm

    • Integral- oder Klapphelm bietet den besten Schutz.

    • Sitz: fest, aber nicht drückend; Helm darf nicht wackeln.

    • Visier: klar, ohne tiefe Kratzer, ggf. Sonnenblende.

  2. Motorradjacke

    • Abriebfester Stoff (Leder oder Textil).

    • Protektoren: Schultern, Ellbogen, Rücken (mindestens vorbereitet, besser fest integriert).

  3. Motorradhose

    • Ebenfalls abriebfest.

    • Protektoren an Knien und ggf. Hüfte.

    • Alltagshosen (Jeans ohne Schutz) sind kein ausreichender Schutz.

  4. Handschuhe

    • Spezielle Motorrad-Handschuhe mit Protektoren.

    • Schützen vor Abrieb, Kälte und Steinen/Insekten.

  5. Stiefel

    • Über den Knöchel reichend.

    • Feste Sohle, Schutz an Zehen und Ferse.

    • Normale Turnschuhe bieten kaum Halt und Schutz.


3.2 Zusätzliche Schutzausrüstung

  • Rückenprotektor (als Weste oder fest in Jacke integriert)

  • Airbag-Weste oder Airbag-Jacke

  • Nierengurt (Unterstützung für Rücken, Schutz vor Zugluft)

  • Reflektierende Elemente (bessere Sichtbarkeit bei Dunkelheit)

Merke:

Gute Schutzkleidung ist Teil der Fahrerausstattung – nicht optionales Zubehör.


4. Sichtbarkeit und Wahrnehmung im Straßenverkehr

Motorräder werden häufig übersehen („Ich habe ihn nicht gesehen“).

Maßnahmen zur besseren Erkennbarkeit:

  • helle oder auffällige Farben (z. B. Orange, Gelb, Neongrün)

  • reflektierende Streifen an Jacke, Hose, Helm oder Stiefeln

  • sauberes, intaktes Licht (Abblend-, Brems-, Rück- und Blinklicht)

  • immer mit eingeschaltetem Licht fahren (bei modernen Motorrädern sowieso)

Defensive Grundhaltung:

  • immer damit rechnen, dass andere dich übersehen oder falsch einschätzen

  • kritisch bei:

    • Einmündungen / Kreuzungen

    • Überholsituationen

    • Gegenverkehr (Linksabbieger!)


5. Aktive Sicherheit des Fahrers

„Aktive Sicherheit“ = alles, was du vor dem Unfall tun kannst, um ihn zu vermeiden.

Wichtige Punkte:

  1. Fahrbereitschaft

    • Keine Fahrt unter Alkohol oder Drogen.

    • Vorsicht bei Medikamenten (Beipackzettel beachten).

    • Ausgeruht fahren – Müdigkeit reduziert Reaktionsfähigkeit.

  2. Fahrtechnik

    • vorausschauend und defensiv fahren

    • Blickführung: Blick weit nach vorne, Linie durch die Kurve planen

    • rechtzeitiges und dosiertes Bremsen

    • Sicherheitsabstand zum Vorausfahrenden einhalten

  3. Anpassen an Bedingungen

    • Geschwindigkeit an Sicht, Wetter, Fahrbahn anpassen

    • bei Nässe, Laub, Splitt, Markierungen besonders vorsichtig

    • bei Kälte: längere Bremswege, schlechtere Reifenhaftung (kalte Reifen)

  4. Wartung und Technik

    • Bremsen, Licht, Reifenprofil regelmäßig prüfen

    • Kette spannen und schmieren

    • korrekter Reifendruck (nach Herstellerangabe)


6. Besonderheiten: Schutz des Beifahrers

Der Beifahrer hat keinen eigenen Lenker, aber starken Einfluss auf das Fahrverhalten.

6.1 Verhalten beim Auf- und Absteigen

  • Nur aufsteigen, wenn:

    • das Motorrad stabil steht

    • der Fahrer bereit ist und es ausdrücklich erlaubt.

  • Beim Absteigen:

    • erst auf Zeichen des Fahrers warten

    • vorsichtig absteigen, Motorrad nicht zur Seite ziehen.

6.2 Verhalten während der Fahrt

  • Immer eng am Fahrer sitzen, nicht „herumturnen“.

  • Hände:

    • an Haltegriffen oder

    • um die Hüfte/Taille des Fahrers.

  • Füße:

    • immer auf den Fußrasten lassen (nicht herunterhängen lassen!).

  • In Kurven:

    • mit dem Fahrer mitgehen, nicht dagegen lehnen

    • nicht selbst „aktiv hineinlegen“, sondern locker folgen.

Merke:

Der Beifahrer fährt passiv mit, aber trägt aktiv zur Sicherheit bei.


6.3 Kommunikation Fahrer – Beifahrer

Vor der Fahrt einige Zeichen absprechen:

  • „Alles ok?“ – z. B. Daumen hoch.

  • „Langsamer“ – z. B. flache Hand nach unten.

  • „Stopp, anhalten“ – z. B. mehrmaliges Tippen auf die Schulter.

So können Missverständnisse vermieden und Unsicherheiten früh erkannt werden.


7. Schutz bei besonderen Bedingungen

7.1 Fahren bei Kälte

  • Wärmeschutz beachten: Thermo-Unterwäsche, winddichte Kleidung.

  • Kälte vermindert:

    • Gefühl in Händen und Füßen

    • Konzentration

  • öfter Pausen machen, Hände aufwärmen.

7.2 Fahren bei Hitze

  • Auch im Sommer volle Schutzkleidung – spezielle Sommer-Textilkleidung nutzen.

  • Viel trinken (alkoholfrei), Pausen im Schatten.

  • Achtung: Müdigkeit durch Hitze.

7.3 Regen und schlechte Sicht

  • Regenkombi, wasserdichte Handschuhe und Stiefel

  • Anti-Beschlag-Vorrichtungen (Visier, Pinlock etc.)

  • Geschwindigkeit deutlich anpassen

  • größerer Sicherheitsabstand

  • stärkere Rutschgefahr auf Markierungen, Gullydeckeln, Kopfsteinpflaster


8. Typische Fehler und Gefahren

Häufige Fehler von Fahrern:

  • „Nur mal kurz“ ohne vollständige Schutzkleidung

  • überschätztes Können („Das klappt schon…“)

  • zu hoher Tempo-Unterschied zum übrigen Verkehr

  • zu wenig Abstand

Häufige Fehler von Beifahrern:

  • unruhiges Sitzen / plötzliches Verlagern des Gewichts

  • falsches Lehnen in Kurven (z. B. nach außen)

  • Füße von den Rasten nehmen

  • sich am Fahrer „hochziehen“ beim Bremsen


9. Merksätze für die Prüfung

  • Fahrer und Beifahrer müssen einen geeigneten Schutzhelm tragen.

  • Ein Beifahrer darf nur mitgenommen werden, wenn Sitzplatz und Fußrasten vorhanden und nutzbar sind.

  • Volle Schutzkleidung (Helm, Jacke, Hose, Handschuhe, Stiefel) ist für Fahrer und Beifahrer gleich wichtig.

  • Gute Sichtbarkeit durch Licht, helle Farben und Reflektoren erhöht die Sicherheit.

  • Der Beifahrer muss ruhig, eng am Fahrer sitzen und die Füße immer auf den Fußrasten lassen.

  • Aktive Sicherheit entsteht durch: defensive Fahrweise, gute Fahrtechnik und ein technisch einwandfreies Motorrad.

Lernziele

Nach diesem Kapitel kennst du:

  • die Bedeutung von Schutzkleidung und Schutzausstattung für Fahrer und Beifahrer erklären,

  • die gesetzlichen Mindestanforderungen benennen (z. B. Helmpflicht, geeignete Sitzplätze),

  • geeignete Motorrad-Schutzkleidung beschreiben und bewerten,

  • Regeln für ein sicheres Mitfahren als Beifahrer aufzählen,

  • Maßnahmen zur Erhöhung der eigenen Sicherheit im Alltag anwenden.